Römischer Donauhafen Straubing

Antike Flußschiffahrt und Militär im Experiment

Antike Flußschiffahrt und Militär im Experiment

Anlass der Ausstellung
Denkmalpflegerische Maßnahmen im Zug des Abrisses und die darauf folgende Neuerrichtung des Parkdecks beim Krankenhaus von Straubing sind Grund, dass die Stadtarchäologie Straubing im Sommer 2019 nochmals nahe des oder im römischen Hafen tätig werden wird. Unter dem bestehenden Klinikum konnte im Vorfeld seiner Errichtung dieser Hafen dokumentiert werden. So entstand der Gedanke, die Hafengrabungen aus dem Jahr 1986, die unter Leitung des ersten Stadtarchäologen Straubings, Dr. Johannes Prammer, stattgefunden hatten, einem breiten Publikum zu präsentieren.

Der Hafen als wichtigste Infrastruktur
Ein Hafen ist Dreh- und Angelpunkt der antiken Infrastruktur. Die meisten Güter wurden dort umgesetzt. So war die Idee geboren, die im Hafen verhandelten Waren, die wir aus Straubing kennen, mit Ihren Ursprungsorten vorzustellen. Pfeffer aus Hinterindien, Datteln und Feigen aus dem Nahen Osten, Fischsaucen und Olivenöl aus Südspanien, eingelegte Oliven aus Oberitalien und Wein aus Frankreich wurden importiert. Straubing war Teil der damals bekannten globalisierten Welt.
Die Grabungen der Stadtarchäologie erbrachten 1986 spektakuläre Ergebnisse zum römischen Hafen: Im Westen des Hafenbeckens mündete der Allachbach in die Donau. Dort befand sich ein Altwasser, das bei der Anlage des Hafens genutzt wurde. Es wurde ein Tuffkai errichtet, an den eine unbefestigte Bucht anschloss, in der man Schiffe reparierte. Man konnte an dieser Stelle Schiffe an Land ziehen und reparieren. Es folgte ein mit Holzpfählen befestigtes Ufer, dem zwei Piers folgten. Auch wenn es an anderen Stellen diese Häfen gegeben hat, in Straubing erhält man einen Eindruck von solchen Anlagen!

Flußschiffahrt im Experiment
Gemeinsame Projekte verbinden das Gäubodenmuseum mit der Professur für Alte Geschichte der Universität Trier. Für das große Ausstellungsprojekt „Imperium, Konflikt, Mythos - 2000 Jahre Varusschlacht“ wurde die Rekonstruktion der Victoria, eines Oberstimm-Schiffes (Patrouillenboot und Truppentransporter), angeregt und durch das Ausstellungsprojekt finanziert. Die Victoria war bereits 2014 auf der Straubinger Donau im Einsatz, vielleicht ergibt sich diese Möglichkeit ja auch im Rahmen der Ausstellung?
Von Trier aus betreut wurde der Bau einer Lusoria Rhenana, einem spätantiken Kriegsschiff Mainz Typ A, und ein maßstäblich rekonstruierter Prahm aus Bevaix (Schweiz), also ein Frachtkahn, wurde erprobt. Aktuell entsteht der Nachbau des Küstenfrachters Laurons 2, der an der südfranzösischen Küste nahe Marseille geborgen werden konnte, in Trier.
Alle bisher fertig gestellten Schiffe wurden ausführlich getestet. Was lag also näher, als die Ausstellung zum Hafen mit einem Bereich zur antiken Flußschifffahrt zu erweitern? Es werden Modelle, Konstruktionsskizzen und Fotos dieser vier Schiffstypen gezeigt, die alle auf der Donau verkehrt sein dürften, die Laurons 2 allerdings nur im Flussmündungsgebiet.
Besondere Attraktion ist der im Maßstab 1:2 nachgebaute, immerhin im Maßstab noch 10m lange, Prahm von Bevaix, der während der Ausstellung im Gäubodenmuseum zu besichtigen ist.

Militaria und antike Torsionsgeschütze
Experimente zu den High-Tech-Waffen der Antike, nämlich Torsionsgeschützen wurden gemeinsam mit Partnern von Universitäten wie der Professur für Alte Geschichte der Universität Trier (Prof. Dr. Christoph Schäfer), der Helmut-Schmidt Universität der Bundeswehr in Hamburg (Prof. Dr. Burkhard Meißner) sowie der Universität Osnabrück (Prof. Dr. Günther Moosbauer) durchgeführt. Auch Schulen waren beteiligt, darunter das Gymnasium Landschulheim Schloss Ising (Marcus Altmann) und das Turmair-Gymnasium Straubing (Albert Jungtäubl). Der Bau der Geschütze ist von der Varusgesellschaft im Osnabrücker Land maßgeblich gefördert worden. Drei dieser Geschütze werden gezeigt!
Torsionsgeschütze in Form von Manuballistae (Handwaffen) fanden auch auf Schiffen Verwendung. In der Ausstellung werden Feldgeschütze und ein Turmgeschütz gezeigt, die vom selben Funktionsprinzip sind. So schlägt die Ausstellung den Bogen vom römischen Donauhafen zur experimentellen Archäologie.

Fazit
Mit all diesen Themen entsteht ein buntes Panoptikum, das uns die technischen Leistungen der Antike vor Augen führt.

Partner
Das Gäubodenmuseum ist dem TFZ Bayern für die tatkräftige Beratung bei der Darstellung der antiken Vegetation dankbar.
Die Ausstellung wurde zusammen mit der Professur für Alte Geschichte der Universität Trier, Prof. Dr. Christoph Schäfer, realisiert. Aus Trier stammen die meisten Exponate zur Schiffahrt und ein Torsionsgeschütz.

Katalog
Ab Ende Juni ist im Gäubodenmuseum ein Katalog zur Ausstellung erhältlich.

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