Sorviodurum - Straubing
Der Kastellort Sorviodurum - so der römische Name von Straubing - war ein bedeutender Militärplatz am raetischen Limes. Auf der Niederterrasse entstand östlich der Einmündung des Allachbachs in ein Altwasser der Donau schon in der frühen Regierungszeit von Kaiser Vespasian (69-79) ein Kastell für die 2. Raeterkohorte, eine 500 Mann starke Infanterieeinheit. Nur wenig später wurden östlich dieses Kastells drei weitere Militärlager, die zeitlich aufeinander folgen, angelegt. Eine der Besatzungen war möglicherweise die 3. Bataverkohorte, eine 1000 Mann starke Infanterieeinheit, von der zwei Ziegelstempel aus Straubing bekannt sind. Auf diese Truppe folgte die 1. Canathenerkohorte, eine in Syrien ausgehobene Spezialeinheit von 1000 Bogenschützen, von der sich zahlreiche Ziegelstempel und eine Inschrift fanden. Vom späten 1. Jahrhundert an bis zu den Markomannenkriegen in den 70er Jahren des 2. Jahrhunderts waren somit 1500 Soldaten in Straubing stationiert. Zusätzlich befand sich an der Allachbachmündung ein Kriegshafen der römischen Flotte.
Um die Kastelle entstand ein ausgedehntes Lagerdorf (Vicus) mit schmalen, langrechteckigen Holzhäusern ( Streifenhäuser ), die sich an den Hauptstraßen orientierten. Im Westen lag eine große, aus Stein errichtete Badeanlage (Therme). Im Vicus herrschte ein reges Leben und Treiben. Sorviodurum war sicher ein zentraler Marktort für das Umland. Die Produkte der benachbarten Gutshöfe wurden hier ebenso gehandelt wie aus fernen Gegenden des Imperiums importierte Güter. Im Lagerdorf lebten die Familien der Soldaten, Veteranen, Händler und Handwerker. An den Ausfallstraßen lagen die Gräberfelder unter denen der Friedhof im Osten die größte Ausdehnung hatte. Mehrere Fundamentrollierungen weisen auf große, aufwendig gestaltete Grabmäler hin.
Von den Markomannenkriegen in den 70er Jahren des 2. Jahrhunderts wurde Sorviodurum schwer getroffen. Das Westkastell der 2. Raeterkohorte ging in Flammen auf, die Truppe wurde in den Kämpfen aufgerieben. Große Teile des Lagerdorfes wurden zerstört. Nach den Markomannenkriegen verblieb die 1. Canathenerkohorte in Straubing. Der Vicus wurde neu angelegt und aufgebaut, wobei nun öfter große, repräsentative Steinbauten festgestellt werden konnten. Sie zeugen von der neuen Blüte und Prosperität des Ortes. Die Ruhe in der Provinz Raetien wurde schon in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts durch Germaneneinfälle gestört. Während Straubing von diesen Übergriffen offenbar verschont blieb, brachte ein großer germanischer Einfall nach der Jahrhundertmitte das Ende für die mittelkaiserzeitliche Siedlung. Inzwischen ist der Römerpark auch in das Stadtleitbild Straubing aufgenommen worden.
In der Spätantike erhielt Straubing erneut eine militärische Befestigung. Westlich des Allachbachs entstand am Ende des 3. Jahrhunderts auf einem natürlichen Geländesporn, auf dem heute die Kirche von St. Peter steht, ein neues Kastell. In ihm waren Germanen, die im Dienste Roms standen, stationiert. Das Kastell blieb bis gegen die Mitte des 5. Jahrhunderts mit Truppen belegt und wurde dann geräumt.
Die Stadt Straubing hat das Glück, daß das Zentrum ihrer römischen Besiedlung nicht überbaut wurde. Das rund 3,5 ha große Areal des Kastells der 1. Canathenerkohorte sowie Teile des südlich anschließenden Lagerdorfs, in dem durch Luftbilder mehrere Steinbauten bekannt sind, sollen als Römerpark Sorviodurum eingerichtet werden und so der Öffentlichkeit von der großen römischen Vergangenheit des Ortes berichten. Inzwischen ist der Römerpark auch in das Stadtleitbild Straubing aufgenommen worden.
1. Ausbaustufe
In der ersten Ausbaustufe sollen die in städtischem Besitz befindlichen Grundstücksflächen in einen archäologischen Park umgewandelt werden. Zunächst wird das gesamte Areal mit geophysikalischen Methoden untersucht. Die Ergebnisse bilden zusammen mit den schon vorhandenen Luftbildern eine Entscheidungshilfe, welche der vorhandenen römerzeitlichen Gebäude durch Grabungen untersucht und anschließend für die Besucher rekonstruiert werden sollen. Bisher sind auf dem Gelände ein großes, repräsentatives Steingebäude und nördlich davon weitere größere Gebäude bekannt. Sie sollen nach und nach für die Besucher sichtbar gemacht werden.
Durch die angesprochenen Messungen wird auch das antike Wegenetz rekonstruierbar, welches für die Besucherführung weitgehend übernommen werden soll.
2. Ausbaustufe
In der zweiten Ausbaustufe sollen das Kastell und seine vorgelagerte Umwehrung als archäologischer Park gestaltet werden. Auch hier soll in Verbindung mit den vorliegenden Luftbildern und der schon erfolgten geophysikalischen Prospektion entschieden werden, wie die einzelnen Kastellbereiche für die Besucher sichtbar und zugänglich gemacht werden können.
Literatur
Johannes Prammer | Gerhard Schmid: Römerpark Sorviodurum. Hg.v. Lions-Club Straubing, Straubing 2004. |